Statement

Mich frustriert die Substanzlosigkeit der Bilder

Was die Fotografie und der Film zu leisten scheinen, genügt mir nicht. Ich kann diesen Medien nicht bedingungslos trauen. Ich bestehe darauf, ihre Mittel und ihren Raum nach von mir definierten Parametern zu erweitern. Ein Foto wird zum Objekt, welches in den Raum hineinragt und eine Videoarbeit wird zu einer, die Partizipanten umschließenden Installation. Ich kann Zeichen wie Chiffren zu entziffernder Botschaften im öffentlichen Raum hinterlassen oder die dokumentierte Zeit in einem Film ausdehnen.

Ich weigere mich, die Wirkung meiner Werke zu planen. Ich gestehe dem Publikum seine eigene Bewertung zu. Ich verstehe meine Fotografien und Videos stattdessen als Anstoß für Irritationen und Emotionen. Sie führen nicht nur diejenigen, die sich meine Arbeiten anschauen, sondern auch mich selbst näher an das heran, was ich suche. Kunst ist für mich ein Versuchsaufbau, in dem ich fortwährend die Grenzen der Medien erprobe.

Ich werde von dem Drang nach dokumentarischer Forschung geleitet und analysiere Vorgänge durch intensives Beobachten. Dabei liegt mein Fokus auf dem Spannungsverhältnis zwischen dem menschlichen und dem nicht-menschlichen Tier. Zwischen dieser Hingabe an die Observation und die beobachteten Gegenstände einerseits und der experimentellen Erweiterung des Mediums andererseits entwickelt sich meine Arbeit.

Ich werde nicht müde, Kritik an den menschlichen Eingriffen in die uns umgebende Natur zu üben. Das führt dazu, dass ich nicht nur Prozesse zwischen Mensch und Umwelt, sondern auch die Inszenierung der Umwelt selbst reflektiere. Die Stereotypen und Konventionen dieser Inszenierung muss ich ebenso hinterfragen wie ich die Wahrnehmung der Öffentlichkeit herausfordern muss.

Doch kann ich dann Beobachterin bleiben? Je weniger ich dem Publikum ein fixiertes Werk anbiete, je mehr ich ihre und meine Position in Natur und Gesellschaft in Frage stelle und je mehr ich die bloße Inszenierung meiner Beobachtungsobjekte zu unterlaufen versuche, desto aktiver muss ich selber werden. Selbst wenn ich dafür von der Beobachterin zur Beobachteten werden muss.

So ändert sich schließlich die Blickrichtung. Überschreite ich die Grenzen des Mediums, verändern sich auch die Grenzen meiner künstlerischen Haltung. Ich kehre meine Gefühle und Erfahrungen nach außen. Die Bilder gewinnen Substanz zurück, je weniger ihre Perspektive gegeben ist und je wandelbarer die Blickrichtung wird.